Samstag, 26. April 2014

Netzneutralität besagt dass kein Datenpaket einem anderen bevorzugt werden soll.

Netzneutralität : Was eine Überholspur im Internet für uns bedeutet

Netzwerkkabel am Internetknoten De-Cix in Frankfurt
 
In den Vereinigten Staaten entbrennt gerade eine Debatte um den freien Zugang ins Internet. Die amerikanische Telekommunikationsbehörde FCC will eine Überholspur im Internet einrichten. Netzdienste-Anbieter wie das Videoportal Netflix könnten sich den Plänen zufolge von Internetzugangs-Anbietern oder Netzbetreibern wie Verizon oder AT&T den Zugang zu dieser Überholspur für einen „wirtschaftlich angemessenen“ Preis kaufen.
Kritiker der Pläne sehen darin eine Verletzung der sogenannten Netzneutralität, also dem Grundsatz, dass im Internet alle Daten gleich behandelt werden. Manche äußern auch die Sorge, dass finanzstarke Konzerne wie Netflix, Amazon oder Google wohl wenig Probleme damit hätten, eine Gebühr für die Überholspur zu bezahlen.
Kleinen oder aufstrebenden Anbietern würde das ungleich schwerer fallen. Die Folge könnte sein, dass sich das Innovationstempo im Netz verringern könnte. FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Plänen der FCC.

Was ist Netzneutralität?

Im Kern besagt die Netzneutralität, dass kein Datenpaket einem anderen bevorzugt werden soll. Sie ist bisher einer der Grundpfeiler des Internets. Die Datendurchleitung erfolgt danach, wie die Daten zeitlich anfallen, die sich dabei den schnellsten Weg suchen.
Allerdings ist der Grundsatz schon heute löchrig. So werden zum Beispiel Internettelefonie-Daten mitunter bevorzugt. Und mancher amerikanischer Internetzugangsanbieter verkauft heute schon Datentarife, bei denen Festnetz-Internet und Telefon mit Film- und Fernsehpaketen gekoppelt sind. Damit die Nutzer nicht über ruckelnde Videos schimpfen, werden diese Daten auch bevorzugt weitergeleitet.

Was sind die Pläne der FCC?

Die FCC plant nun, eine Überholspur im Netz einzurichten. Den Plänen zufolge sollen Internetdienste-Anbieter einen „wirtschaftlich angemessenen Preis“ zahlen, um von Internetzugangs-Anbietern oder Netzbetreibern Zugang zu der Überholspur zu erhalten.

Was würde sich für amerikanische Verbraucher verändern?

Vordergründig erst einmal nichts, weil sich ja die Internetzugangs-Anbieter und die Internetdienste-Anbieter einigen müssen. Unter anderem müssten sie den „wirtschaftlich angemessenen“ Preis für die Überholspur miteinander aushandeln. Je nachdem wie hoch dieser Preis ist, wäre es allerdings durchaus möglich, dass die Dienste-Anbieter die Mehrkosten für die Überholspur in letzter Konsequenz auf die Verbraucher überwälzen.
Somit könnte die monatliche Abonnementgebühr steigen, die Konsumenten zum Beispiel zahlen, wenn sie Streaming-Dienste nutzen, also in Echtzeit über das Internet Musik, Filme oder Fernsehserien abrufen. Wie bisher kostenfreie Angebote wie die zu Google gehörende Videoplattform Youtube mit dem Aufpreis umgehen würden, ist dagegen offen. Vorstellbar wäre allerdings auch, dass bisher durch Werbung finanzierte Angebote nicht mehr in der jetzigen Form oder im jetzigen Umfang angeboten würden.

Was bedeutet der Plan der FCC für europäische Verbraucher?

Wie sich der Plan der FCC auf europäische oder deutsche Internetnutzer auswirken könnte, ist ebenfalls offen. Die FCC stellt erst einmal nur Regulierungen für die Vereinigten Staaten auf. Sollte der Plan in Kraft treten, könnte er allerdings Signalwirkung  entwickeln: Auch in Europa klagen Internetzugangs-Anbieter immer wieder, dass sie Investitionen für die Netzinfrastruktur aufbringen müssen, während Internetdienste-Anbieter mehr oder weniger als Trittbrettfahrer der Netze mit ihren Angeboten hohe Gewinne erwirtschaften.
Dass auch europäische Telekommunikationsunternehmen daran arbeiten, für Vorfahrt im Netz Gebühren kassieren zu wollen, zeigte ein Plan der Deutschen Telekom aus dem vergangenen Jahr. Im April 2013 gab der Bonner Konzern bekannt, seine Festnetzinternettarife deckeln zu wollen. Wer mehr Daten verbrauchte, hätte mehr zahlen müssen.
Gleichzeitig wollte die Telekom eigene Dienste wie das Internetfernsehen „Entertain“ von der Deckelung ausnehmen - was einem Verstoß gegen das Prinzip der Netzneutralität gleichgekommen wäre.
Erst Anfang des Monats hatte sich das Europaparlament mit Nachdruck für die Gleichbehandlung von Inhalten im Internet ausgesprochen. Internetanbieter dürfen einzelne Dienste nicht zum Schaden anderer Angebote bevorzugen, beschlossen die Parlamentarier damals. Für Internetnutzer bedeutet das, das alle Angebote im Netz ähnlich gut und schnell funktionieren müssen. Die Abgeordneten gingen mit ihrem Votum in Brüssel über Vorschläge der EU-Kommission hinaus. Sie forderten strengere Vorgaben zur Netzneutralität. Aktivisten reagierten euphorisch auf das Ergebnis der Abstimmung, aus der Telekom-Industrie gab es dagegen Kritik.

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