Sonntag, 28. Juni 2015

Was darf ein Mensch mit Diabetes-kosten?

Was darf ein Mensch mit Diabetes-kosten?

Die Frage, wieviel ein Mensch (die Gesellschaft) kosten darf, gilt in unserem Kulturkreis irgendwie als unfein. Auch die Frage, wie viel Diabetes kosten darf, zählt dazu. Trotzdem treffen ständig (Gesundheits-)Politiker, Versicherungen, Krankenkassen und andere Interessenvertreter Entscheidungen über die Höhe der Gelder, die für die Behandlung des Diabetes zur Verfügung stehen. Und die Gelder sind knapp.
Zuletzt haben die gesetzlichen Krankenkassen in Nordrhein moniert, dass sie 80 Mio. € für Blutzuckerteststreifen im Jahr 2011 bezahlen mussten. Das sei zu viel. Man müsse an den Blutzucker-Messgeräten und den Teststreifen sparen. Ärzte sollen verpflichtet werden, ihre Diabetiker auf 'günstigere' Teststreifen umzustellen.
Aber über welche Summen reden wir überhaupt? Wie hoch sind die Diabetes-Kosten? Welchen Anteil daran haben die Blutzucker-Teststreifen?
Das weiss keiner genau. Sie haben richtig gelesen: wir wissen es nicht genau! Es gibt in Deutschland keine systematische Erfassung der Daten, die mit dem Diabtetes zusammen hängen. Wir wissen nicht, wie viele Diabetiker es gibt; wir wissen nicht, wie viele Typ 1er oder Typ 2er es gibt! Wir wissen nicht, wie lange sie leben und wir wissen nicht genau, welche Kosten sie während ihres Lebens verursachen. Die Krankenkassen wissen es nicht und die Gesundheitspolitik auch nicht.
Das in der früheren DDR existierende Diabetes-Register wurde 1989 mit der Wiedervereinigung eliminiert.
Aber es gibt Schätzungen! Schätzungen, die auf repräsentativen Stichprobenerhebungen basieren und sich mit Abstrichen für weitere Schätzungen eignen ...
Vor mehr als 10 Jahren wurde im Rahmen der KoDiM-Studie eine Stichprobe von ca. 30.000 Diabetikern, die bei der AOK in Hessen versichert waren ein Jahr lang verfolgt und im Hinblick auf die Kosten mit einer nicht-diabetischen Versichertengruppe verglichen.
Das Ergebnis war: die Diabetiker kosten im Jahr etwa 3800€ mehr als die Nicht-Diabetiker. Davon entfallen etwa 1300€ auf die indirekten Kosten durch vorzeitige Berentung. 524€ gehen unmittelbar auf Konto des Diabetes. 1965€ entstehen durch die Behandlung der Folgeerkrankungen. D.h. 30% der Gesamtkosten gehen darauf zurück, dass die Betroffenen nicht mehr arbeiten können (und folglich auch keine Krankenkassenbeiträge mehr bezahlen!). Von den verbleibenden rund 2500€ sind 1965€ für die Behandlung der Folgeerkramkungen nötig! Nur 542€ entfallen unmittelbar auf Medikamente, Arztkosten und Hilfsmittel für den Diabetes. Die Teststreifen stecken in den Hilfsmitteln, die mit 115€ zu Buche schlagen. (Die nachfolgenden Abbildungen stammen von Dr. Hans Nagel, DDZ Düsseldorf)

Mit anderen Worten: ein Diabetiker ist doppelt so teuer wie ein Nicht-Diabetiker. Teuer ist nicht so sehr der Diabetes, viel mehr die Behandlung der Folgeerkrankungen. Sie machen 80% der Kosten aus, die eigentlichen Diabetes-Kosten liegen bei 542€. Der Anteil der Teststreifen beträgt weniger als 115€, also noch nicht einmal 5% der direkten Kosten!

In Nordrhein leben etwa 11 Mio. Menschen. Rund 1 bis 1,25 Mio. schätzungsweise werden an einem Diabetes leiden. Auf sie entfallen 80 Mio.€ für Teststreifen, also etwa 80€ pro Patient und pro Jahr.
2012 werden die Kassen ca. 1600 Mio.€ für die Behandlung von diabetesbedingten Schlaganfällen, Herzinfarkten und Gefäßverschlüssen, Dialysen, und Laserkoagulationen bezahlen.
Manche Krankenkassen schreiben die bei ihnen Versicherten an und beklagen lauthals die Diabetes-Kosten, nicht ohne den Betroffenen ein schlechtes Gewissen zu machen: "31€ kosten Ihre Teststreifen!" - "...nur 21€ die von uns getesteten!".
Selbst wenn die Qualität der Teststreifen und der Messgeräte tatsächlich vergleichbar ist (was man bezweifeln darf!), selbst wenn tatsächlich ein Drittel der Kosten an den Teststreifen eingespart werden könnte, dann reden wir von einer Kostenreduktion von 5% der Gesamtkosten (für Hilfsmittel) auf 3,5% ...
Ja, geht's denn noch? 

Quelle:  http://www.blutzucker-coach.com/diabetes-kosten.html

Mittwoch, 17. Juni 2015

die absolute Diabeteshilfe durch die APP "GoCarb"

Diabetiker-App erkennt in Speisen die Kohlenhydrate

Damit ihr Blutzucker nicht durch die Decke geht, müssen Diabetiker stets darauf achten, was sie essen. Die App «GoCarb» soll sie dabei unterstützen.

storybild Die GoCARB-App im Einsatz: Rechts ein Screenshot der Anwendungsschnittstelle, welches das geschätzte Volumen und die Menge an Kohlenhydraten mit dem Erkennungsbild zeigt. (Bild: Stavroula Mougiakakou / ARTORG Center / Universität Bern)

In der Schweiz sind etwa 500'000 Menschen von der Zuckerkrankheit Diabetes betroffen. Sie müssen mit Medikamenten ihre erhöhten Blutzuckerwerte kontrollieren und zudem ihre Mahlzeiten so planen, dass nach dem Essen der Blutzuckerspiegel nicht zu stark ansteigt. Dieser muss allenfalls durch Spritzen von Insulin wieder gesenkt werden.
Die dafür benötigte Menge Insulin, das sogenannte Essensinsulin, lässt sich aus der Menge an Kohlenhydraten in einer Mahlzeit berechnen — also Stärke und verschiedene Zucker, wie die Universität Bern am Mittwoch mitteilte.
Fotos der Mahlzeit
Doch es sei selbst für gut geschulte Diabetiker schwierig, den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit genau genug abzuschätzen, betonen die Forscher. Ihre Schätzungen rangierten oft zwischen der Hälfte bis zur doppelten Menge der tatsächlichen Kohlehydratmenge, erklärte Peter Diem von der Universitätspoliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung am Inselspital auf Anfrage.
Abhilfe schaffen soll die «GoCarb»-App, die am ARTORG-Institut der Universität Bern entwickelt wurde. Sie erkennt die Nahrungsmittel auf einem Teller mit Hilfe der Smartphone-Kamera. Dazu muss der Benutzer ein Referenzobjekt, das den Grössenvergleich erlaubt, neben den Teller legen und zwei Fotos aufnehmen. Das Programm segmentiert und erkennt die verschiedenen Lebensmittel wie Fleisch, Gemüse und Nudeln und rekonstruiert deren dreidimensionale Form. Daraus wird das Volumen der einzelnen Lebensmittel abgeschätzt:


 

So funktioniert die App. (Video: Youtube/GoCARB UniBe)
https://www.youtube.com/watch?v=0XzJEYUGpqI 
Bisher erst ein Prototyp
Mit Hilfe einer Nährwertdatenbank errechnet die App den Kohlenhydratgehalt und daraus automatisch das Essensinsulin. Wiederholte Tests mit Fotos von echten Mahlzeiten des Inselspitals ergaben, dass das System sich dabei durchschnittlich um nur 6 bis 7 Gramm irrt.
Es gebe zwar bereits Apps, die den Kohlenhydratgehalt einer Mahlzeit einschätzen helfen, liess sich Studienleiter Stavroula Mougiakakou vom ARTORG Center for Biomedical Engineering Research der Universität Bern in der Mitteilung zitieren. «Aber dort müssen die Nahrungsmittel manuell erfasst werden oder die Programme bieten keine Berechnung des Essensinsulins an.»
Von der neuen App gibt es laut Diem vorerst nur einen Android-Prototypen für die Forschung.
Anwendungsversuche mit Patienten sind für den Sommer geplant.